Dienstag, 12. Dezember 2017 

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65 RELIGION AUS MALEREI?

2. Religionsaffine Tendenzen in der Thematisierung des Lebens, vor allem des Körpers

Schon seit Joseph Beuys´ schamanischen Aktionen kommt es da zu sehr polyvalenten Phänomenen, zum Teil synkretistisch Religiösem aus Malerei, typisch für einen erweiterten Kunstbegriff, bei dem vor allem das Körperthema wichtig wird. Hier ist aber besonders zu nennen der Wiener Aktionismus mit dem Körper als Projektionsfläche, sozusagen als erweiterte Leinwand, wobei man auch Rainer als Anreger im weitesten Sinne dazuzählen darf. Er wurde von der Gruppe der etwas jüngeren Aktionisten sehr geschätzt. Seine mit äußerstem Einsatz gemalten Bilder haben weithin Körperliches, z.B. das Gesicht als Grimasse, Fratze, Maske zum Thema der Übermalung. Der radikalere Günther Brus wäre ohne Rainer kaum zu denken, wohl auch nicht Rudolf Schwarzkogler und Gottfried Hellnwein. Auch Hermann Nitsch mit seinem dionysischen Orgien-Mysrterien-Theater und dessen Relikte ist hier zu nennen. Im Folgenden zeige ich noch einige Landsleute Rainers, mit denen ich in konkreten Ausstellungsaktionen zusammengearbeitet habe.
Michael Hedwig, ein in Wien lebender Tiroler Künstler aus der zweiten Generation nach Rainer, ist in seiner Malerei vor allem durch das Körperthema hervorgetreten. Bei Hedwig ist es nicht so sehr der Mensch in seiner Individualität, sondern vielmehr in seinem Eingebundensein in eine soziale Gruppe, wie in ein Kollektiv, vielleicht eine Gemeinschaft.
Wie tänzerisch bewegen sich die Figuren und Gruppen, ihre Arme berühren sich, ihre Gesten greifen ineinander. Sie bewegen sich immer in geordneten Bahnen, man denkt unwillkürlich an antike Friese, auch an kultische Handlungen, wie in einer rituellen Opferprozession scheinen Michael Hedwigs Menschengestalten einem spirituellen Ziel zuzustreben. Stilistisches Moment der Wiederholung, das Serielle, die Bewegung, die jäh angehalten wird, wie in einem Filmstill. Diese vielfigurigen Kompositionen sind in der Regel auf verschiedenen Bildetagen auf vorderster Raumbühne angeordnet und nahe an den Betrachter herangerückt. Ihre Farben sind Krapplack, gleichsam die Farbe der Inkarnation. In sakralen Raumkontexten evozieren sie Konnotationen zu Volk Gottes, Leib Christi, Sakrament (Abb.1).
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66 GERHARD LARCHER


Abb. 1: Michel Hedwig, Österliches Hochaltarbild, 2002

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